Montag, 07. November 1994


Also hat Gott die Welt geliebt ...

18 junge Stimmen und acht Instrumentalisten in Eisern

Eisern. „...auf das alle, alle, alle, alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben! ” Mit solcher nicht mehr zu überbietender Deutlichkeit hatte Heinrich Schütz (1585-1672) in seinem zeitlos gültigen, überragend schönen fünfstimmigen Motettensatz die biblische Zentralaussage zum Klingen gebracht: „Also hat Gott die Welt geleibt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab ...” 18 junge Stimmen und acht Instrumentalisten ließen am Samstag abend in der evangelischen Kirche zu Eisern diese Botschaft in überzeugender Weise ertönen.

Die Mitglieder des bunt zusammengestellten Chors, Sängerinnen und Sänger der Ev. Kantorei Siegen sowie Studenten der Musik an der Universität - Gesamthochschule Siegen, hatten ein einstündiges Programm zusammengestellt, unter dem Motto: „Geistliche Chormusik und Instrumentalwerke aus vier Jahrhunderten”. Das älteste Werk, das sie vortrugen, war die Motette für vierstimmigen Chor „Glory to thee, my God” des Briten Thomas Tallis (1505-1585). Die jüngsten Stücke stammten aus der Feder von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847).

Der Chor hat früher bereits, teilweise auch unter Mitwirkung von Mitgliedern des Bach-Chors Siegen sowie Stimmen aus lokalen Chören des Siegerlands, in wechselnder Besetzung einige Festfeiern, Gottesdienste und Vespern in verschiedenen Gemeinden mitgestaltet. Nunmehr gestaltete die junge Gruppe erstmalig, geleitet von Christoph Reifenberger und Martin Becker ein „eigenes” Konzert mit gemeinsam erarbeiteten Werken.

Gemeindepfarrer Michael Goldau zitierte zu Beginn seines Grußwortes Verse aus dem 96. Psalm, in welchem seit Jahrtausenden die Motivation für das Vortragen geistlicher Chormusik festgehalten ist: „Singet dem Herrn alle Welt! Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter den Völkern von seinen Wundern! Denn der Herr ist groß und hoch zu loben, mehr zu fürchten als alle Götter.”

Manuela Stötzel brillierte auf ihrem Soloinstrument im Concerto C-Dur für Oboe, Streicher und Generalbaß von Valentin Rathgeber (1682-1750) sowie im Konzert D-Dur für Oboe, Streicher und Basso continuo von Jaques Loeillet (1685-1748). Nicht weniger faszinierend präsentierten die drei Flötenspielerinnen Christine Benfer, Anke Müller und Henrike Reifenberger zum einen die Sonate F-Dur für drei Altblockflöten von Johann Mattheson (1681-1794) und zum andern die Sonate III für zwei Altblockflöten, eine Baßflöte und continuo von William Corbett (1669-1748).

Das alles umrahmte wirkungsvoll den Chor, der zumeist a capella und vereinzelt auch mit continuo, für das hier ein Klavier ausreichte, herrliche Sätze wie Heinrich Schütz' fünfstimmige Motette „Herr, ich traue auf dich”, die ebenfalls fünfstimmige Motette „Jauchzet dem Herrn alle Welt” von Stanislao Mattei (1750-1825) sowie Mendelssohns achtstimmige „Elias”-Motette „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen” vortrug. woz


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last update: 05/03/1999 by Christoph Reifenberger